Leben könnte so einfach sein.
Ist es aber nicht. Nicht für Menschen wie mich. Wenigstens weiß ich jetzt, dass ich selbst Schuld bin. Verantwortlich an meinem Leid. Ein Leid, dass eigentlich gar keins ist.
Stellt euch ein Mädchen vor. Sie ist gesund, hat Freunde und einen Freund, eine liebe Familie, Hobbys, ein eigenes Auto und bald neben einer super gemeisterten Berufsausbildung ein abgeschlossenes Studium in der Tasche. Glücksperson oder? Ihr steht die halbe Welt offen und sie hat sowas von keinen gerechtfertigten Grund heulend auf dem Bett zu sitzen und die Welt sowie sich selbst zu hassen.
Warum tut sie es trotzdem?
Ja, warum.
Ich kann es nicht mal mehr auf die Gesellschaft schreiben, denn dieses mal ist die Gesellschaft und ihre standardisierten, oberflächlichen Werte und Wertvorstellungen nicht schuld.
Ich würde so gern einfach nochmal neu anfangen.
Und ich hasse mich dafür, dass ich immer genau das Gegenteil von dem Tue, das ich eigentlich tun will.
Wisst ihr, ich träume oft davon, 20 Jahre früher geboren zu sein. Ohne Handy und Internet. Wenn ich davon träume, dann sehe ich mich mit cooler (Fake-)Lederjacke, roten Lippen und einer Zigarette im Mund in einer coolen Kneipe sitzen. Um mich herum ganz viele Freunde. Wir trinken Bier, reden über unsere Motorräder und hören Rocksongs. Planen unsere nächsten Festivals und Konzerte, spontane Trips ans Meer.
Wir brauchen keine drei Wochen Vorlauf um einen Termin zu finden, an dem jeder kann. Wir gehen einfach wenn wir Bock haben in unsere Stammkneipe, irgendjemand wird schon da sein. Wir posten nicht stündlich Bilder von unserem Essen oder unseren Entenschnuten.
Wann kam das eigentlich alles? Und warum find ich das so abstoßend?
Vielleicht fühle ich mich einfach so ausgegrenzt, weil ich es bin.
Meine Schwester und ihre Freundinnen sieht man nicht mehr ohne Handy. Snaps hier, Instagram da. Es geht nur darum gut auszusehen und coole Bilder zu machen. Von sich selbst, von allen zusammen. Vom Konzert auf dem man gerade ist. Und es ist normal. Und das schlimmste: wenn ich mit ihnen unterwegs bin, mach ich das auch. Sonst sitz ich ja nur dumm rum und kann nicht mitreden. Es wird sich ja nur noch das Handy vors Gesicht gehalten und irgendwas gezeigt.
Wäre ich hübscher würde ich vielleicht auch mehr Selfies machen, aber ich find mich einfach abstoßend hässlich und fett und mal ehrlich: wen interessieren denn solche Bilder?
und mein Freund spielt die ganze Zeit so bescheuerte Spiele bei denen man einfach nichts machen muss außer es laufen zu lassen und von Zeit zu Zeit zu tippen damit das Handy nicht standby schaltet. Keiner kann sich mehr mit sich selbst beschäftigen. Ist man 5 Sekunden alleine, weil der andere kurz aufs Klo geht, ist sofort das Handy wieder in der Hand. Und wenn ich ihn drauf anspreche, versteht er mich nicht. Ist ja normal heutzutage.
I hate it.
Und ja, deswegen und wegen noch ganz vielen anderen Gründen fühle ich mich einfach nicht integriert. Und ich bins auch nicht. Und so wie ich mich verhalte, will ich es auch gar nicht sein.
Wow, bis auf ein paar Kleinigkeiten hätte ich den Text da oben geschrieben haben können. Mir geht es in vieler Hinsicht wirklich ähnlich. Zum Beispiel der Punkt, dass ich mir wünsche 20 Jahre vorher geboren worden zu sein. Das denke ich mir ständig, wenn ich die Musik von damals höre. Irgendwie passe ich nicht in diese Gesellschaft. Ich find Discos und Kneipen irgendwie doof und sehe nicht den Sinn dahinter, sich jedes Wochenende zu betrinken. Ist ja anscheinend in. Ich hätte auch so gerne Freunde mit denen man einfach sagt: Hey, wir fahren jetzt einfach mal auf dieses oder jenes Festival. Aber keiner von meinen Leuten steht auf sowas.
AntwortenLöschenUnd was Instagram betrifft, da hast du sowas von Recht. Es nervt irgendwie, aber man macht es selber dann doch. Merkwürdig...
Liebe Grüße!
Dankeschööön <3
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