Donnerstag, 3. Dezember 2015

I don't wanna break these chains

Was macht man, wenn man nicht in diese Welt passt? Was macht man dann?
Ich denke mal wieder zu viel während mich meine Kuscheldecke wärmt und ich mir die Wimpern tusche. Ich denke an einen Abend vor einiger Zeit zurück. Ich werde sein Gesicht nie vergessen. Er war groß, trug eine schwarze Jeans und einen dunklen Kapuzenpulli. Seine braunen Haare wurden von einer lockeren Mütze bedeckt und seine Hände steckten in den Taschen seiner Hose. So saß er draußen  auf der Stahltreppe und beobachtete mich. Ich stand im Raucherbereich, die Lederleggings spannte sich um meinen Arsch und der Alkohol bewegte meinen Körper als wäre er eine Marionette. Poison. Er war der hübschstes Junge den ich je gesehen hatte. Und er stand auf. Er stand auf, umfasste meinen Unterarm und zog mich weg. Weg von den anderen, weg von der lauten Musik, weg von den feiernden Menschen. 
"Wer bist du?", wollte er wissen und ich sagte es ihm. Sein Name begann mit M. seine Augen waren grau und seine Zähne weiß. Ich hatte ihn hier noch nie gesehen und ich würde ihn mein ganzes Leben lang niemals mehr wieder sehen. Als ich in seine Augen sah, sah ich genau das, was er in meinen auch gefunden hatte. Den Grund dafür, dass wir jetzt ganz dicht beieinander standen und wussten, dass wir uns schon ewig kannten. Sein Daumen fuhr sachte über meine Haut. Seine Seele war kaputt. Ich konnte es sehen. Er sprach es nicht aus, niemand sprach es aus. Ich wusste, dass er nach Außen ein normales Leben lebte. So wie ich. Nur sah sein Inneres so anders aus. So wie meins. Ich wollte plötzliche nichts mehr als ihn kennen lernen. Draußen war es so kalt. Schneeflocken rieselten vom schwarzen Himmel. Wir saßen zitternd auf der Treppe als er mir sein Bier hinhielt und ich es dankbar an meine roten Lippen setzte. Wir schwiegen, dachten beide nach. Ich fühlte mich wie Shelly, Eric Draven's Frau in The Crow. Was passiert wenn zwei kaputte Seelen aufeinander treffen? Wird es besser oder schlimmer? Es wäre das erste Mal, dass mich jemand versteht, richtig wirklich versteht. Würden wir beide dann nur noch tiefer sinken? Wäre das unser Todesurteil? Ich sah ihn an, doch er starrte auf seine Finger. Eine dunkelbraune Strähne fiel ihm in die Stirn und ich hob meine Hand und strich sie ihm aus dem Gesicht. Er war so wunderschön. 
Aber ich hatte einen Freund. 

6 Kommentare:

  1. ohje wie traurig, aber schön geschrieben :* fühl dich ganz fest umarmt liebe aurora ♥

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  2. Danke meine Liebe <3
    Es gibt so viele kaputte Seelen auf dieser Welt. Zu viele.
    Wir müssen stark bleiben und wenn ich eins gelernt habe, dann ist es niemals aufzugeben.
    :*

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  3. Eine schicksalshafte Begegnung.

    Ach den Kerl habe ich eh gefressen; nachdem der gestern plötzlich doch meinte am Wochenende üüüberhaupt keine Zeit zu haben und so, war mir das ganze zu blöd. :D
    Werde das gleich nochmal in meinem Blog ,abhandeln', was genau jetzt noch war.

    Schönes Wochenende Dir! <3

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  4. nene meine schilddrüse hab ich noch nicht checken lassen und ich bin auch nicht so der fan davon zum arzt zu gehen, vor allem wenn sie mir blut nehmen und dann zig sachen darin finden werden :P am ende krieg ich ne broschüre über eine drogenberatung whatever, deswegen geb ich mir den stress erst gar nicht :P aber danke, dass du dir gedanken machst :> hast du schon was geplant fürs wochenende? :) liebe grüße ♥

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  5. Das ist echt truarig, aber gleichzeitig so schön. Finde auch, dass sich das ziemlich nach Schicksal anhört.
    Liebe Grüße :)

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  6. Hey Aurora,
    danke erst einmal für deine Worte. :)

    Wahrscheinlich hast du und deine Freundin recht, es gibt wohl einfach Menschen, da kann man sich auf den Kopf stellen, brüllen, diskutieren, bocken, schweigen, erklären, usw. und sie werden es nie schaffen Verständnis für eine Person aufzubringen.
    Nach einigem Überlegen bin ich nun wohl auch zu dem Schluss gekommen, dass zumindest meine Eltern sich nie ändern werden. Das ist wohl okay, muss ich akzeptierren und ich bin mir sicher mich nach wie vor nicht zu melden. Denn das letzte mal hatte mich echt Überwindung gekostet und es war in meinem Interesse, aber das werde ich nun getrost lassen.

    Deine Begegnung mit M. klingt sooo besonders. Kann man es so nennen, ich finde nichts wirkich passendes... Schade, dass er nie wieder aufgetaucht ist.
    Dass du daran viel denkst, verstehe ich total. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, so Vertaut und doch Fremd, schließlich hat man sich nie über "das Kaputte" ausgetauscht.
    Faszinierend, dass er dich ansprach.

    Vor Jahren hatte ich so eine Person irgendwie in meinem Bekanntenkreis. Da war immer etwas unausgesprochenens... Das Ende vom Lied war, dass er sich erhangen hatte. Und alle so: "Whaaaat?"
    Ich hatte mir ewig Vorwürf gemacht, obwohl ich eh nichts dagegen hätte tun können, da wir nie sprachen. Nur "sahen".

    Böse Welt.
    Ich denke an dich!

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Vielen Dank für deine Worte :-)